Die Top10 der Irrungen, Lügen und haltloser Gerüchte in der Computer-Welt



Platz 10: die eingebremste Grafikkarten
Ich lese leider immer wieder Aussagen wie „Ey, bei dem Prozzi wird Deine GraKa aber eingebremst“. Nun, ums kurz zu machen: das ist Quatsch. Ein Prozessor bremst keine GraKa ein, kann er nicht. Ein PKW-Motor ändert schließlich auch nicht die Anzahl der Gänge im Getriebe. Eine 7800GTX ist auf einem 3000er Venice so schnell wie auf einem 3 GHz SanDiego. Eine Radeon 7000 ist auf einem Duron 800 so schnell wie auf einem X2-4200. Und warum? Weil die GraKa nicht mal locker flockig die Anzahl der Pixelpipelines oder Vertexshader ändert, weil sie sich nicht hoch- oder runtertaktet. Allein der AGP-Modus hat einen Einfluss, aber zwischen 8x und 4x ist selbst bei den aktuellen High-End-System der Unterschied so klein, dass man ihn vernachlässigen kann. Selbst die schnellen AGP-Karten können das vom AGP 8x Modus zur Verfügung gestellte 1 GB/s gar nicht nutzen. Die Frage muss vielmehr sein: passt die GraKa zur CPU? Dass eine Radeon 7000 auf einem X2-4200 nicht sinnvoll ist, scheint klar, doch auf den 2. Blick ergibt sich ein interessantes Bild: was ist mit dem, der exzessiv Videos am PC schneidet und sie anschauen will, nicht zockt und einfach nur eine günstige, leise GraKa will? Und was ist mit dem, der aus Platzgründen nur einen 17 Zoll Röhrenmonitor hat und gar nicht in 1600x1200 zocken kann? Wenn er nun Spiele a la Sims2, Delta Force oder Castle Wolfenstein präferiert, dann reicht auch ein Barton 2500+ hierfür locker, in Kombination mit einer X850XT-PE (der schnellsten verfügbaren AGP-Karte) sogar für 8x Antialiasing und 8x Anistrophischen Filter. Dann muss er nicht 300€ für ein neues Board, eine neue CPU und einen neuen Kühler ausgeben. Und wenn er unter Linux nun Quake3 auf LANs zockt, dann ist ein TFT z.B. falsch am Platz und viiiiiel Festplattenkapazität statt pure CPU-Power auch sinnvoller. Und im Duell zwischen XP3000+/6800GT und Venice 3500+/6600GT bei FarCry, HL2, D3 und Co. hat das A64-Sys auch das Nachsehen. Also besser zweimal überlegen, was man wirklich braucht ;)


Platz 9: die maximale Speicherbestückung bei Mainboards
Mein NF7 futtert angeblich 3 GB, mein 6BX immerhin 768 MB ... schon mal probiert? Ja klar. Erfolg? Nein. Und Warum? Theorie und Praxis liegen eben doch ein Stück weit auseinander. Eins ist klar: theoretisch geht in jeden Slot das jeweils größte verfügbare Modul ... und das klappt sogar recht oft, so man nicht alle Slots nutzt. Die Speicherverwaltung ist nämlich eine knifflige Sache, das ist nicht einfach nur „Lesen - Schreiben - Lesen - Schreiben“, sondern eben auch das verwalten (wo was ist). Und deshalb haben z.B. viele nForce2-Boards massive Problem mit 3 Double-Sided (besser gesagt „Double-Rowed“ ... weil eben zweireihige Speicheranordnung und -verwaltung) Modulen. Wer seinem NF7 schon mal eben diese Kombination antun und dennoch mit FSB 200 fahren wollte, weiß, wovon ich spreche. Das Problem geht aber noch weiter: 3 Single-Rowed 256er SD RAM Module auf einem Intel BX-Board zicken genau so rum, weil der Speichercontroller pro Reihe nur 128 MB verwalten kann. So werden aus 768 ganz schnell 384 MB ... und Abstürze. Ärgerlich auch der Athlon64: dieser schaltet (bis auf Venice E6 und den SanDiego) bei 4 Modulen auf 2T Command zurück (was bis zu 10 % Leistung kostet) und auch gern auf einen Speicher-Takt von nur 333 MHz statt 400. Auch das kostet Leistung. Beides zusammen ergibt noch weniger Speed.
--> Löbliche Ausnahmen: so selten wie ein Sechser im Lotto ... na zumindest gab’s schon Erfolgerlebnisse mit 4 x 1024 MB mit einem Venice E6 und einigen nForce4 Boards.


Platz 8: die bösen Mindestanforderungen Windows XP braucht einen „PC mit 300 MHz , 128 Megabyte RAM , 1,5 Gigabyte Festplattenspeicher, Super VGA-Grafikkarte“ ... und läuft WinXP dann auch? Ja. Und gut? Na um Himmels Willen, quasi unbrauchbar. „Singles“ Braucht eine 700 MHz CPU und eine GeForce-Grafikarte ... es wird nicht erwähnt, dass es mind. eine Ge3 sein muss, weil Singles Vertex/Pixelshader braucht und eine Ge1/Ge2 und die MX-Reihen dies nicht beherrschen. Wer mal schauen will, wie schnell sein neuer DVD-Brenner auf seinem 600 MHz BX440-System rennt, dem sei dies natürlich erlaubt, aber glauben Sie mir: sparen Sie sich die Zeit einfach. Tja, und wer Doom3 mal auf einer GeForce 4MX gespielt hat, verdient entweder meine Hochachtung für seinen Mut oder ein Kopfschütteln, wie er sich das nur antun konnte.
--> Löbliche Ausnahmen: wenigstens geben Spielehersteller / Publisher mittlerweile des Öfteren mal eine „Empfohlene Konfiguration“ an, bleibt aber quasi immer nur eine grobe Richtlinie, bei der man lieber 30 % draufrechnet um halbwegs sinnvoll zocken zu können.


Platz 7: die Festplattenkapazitäten
Na? Schon mal eine 120 GB Platte gekauft, eingebaut und es stehen nur 111 GB zur Verfügung? Ihre Schuld? Nein. Schuld von Windows? Auch nicht. Schuld Ihres Mainboards? Nö. Schuld der Hersteller? Ja. Denn diese Rechnen quasi zu 100 % mit „1 GigaByte = 1000 MegaByte“ ... dumm nur, dass 2 hoch x (wobei x Element natürlicher Zahlen) nie im Leben 1000 sein kann. Wenn, dann 1024 (2 hoch 10). Und das geht ja schon bei Byte & Kilobyte los. Und so wird eine 111 GB Platte zu einer 120er „gerechnet“.
--> Löbliche Ausnahmen: - keine -


Platz 6: die Brenn-, Lese- und Schreibgeschwindigkeiten
Haben Sie sich schon mal gewundert, warum Sie ihre Daten von Festplatte zu Festplatte nur mit 30 oder 40 MB/s kopieren? Oder warum ihr 52x CD-Brenner nur mit ~ 45x brennt? Oder warum Ihr DVD-Laufwerk nur mit 13x anstatt 16x liest? Auch hier setzt die Physik klare Grenzen: „innen“ (also am Anfang von Platte und optischen Laufwerken) ist die Geschwindigkeit niedriger als „außen“ ... ein Rad legt an der Nabe ja auch weniger m/s zurück als am Reifen. Und erst außen, „auf der letzten Rille“ so gesagt, kommt man auf Tempo. Des Weiteren stellt sich noch die Frage, was denn auf dem Datenträger drauf ist: sind es 10.000 kleine Bilder oder ein großes Video? Verwaltungsaufwand und Schreib/Lese-Kopf sind bei einer Menge kleiner Dateien viel mehr beschäftigt, als bei einer schönen, großen, linearen, ja langweiligen Video-Datei. Bei Festplatten nun kommt noch hinzu, dass 2 Platten an einem IDE-Controller sich die Leistung des Controllers teilen müssen und da ist es egal, ob nun UDMA100 oder 133. Bei optischen Laufwerken hat man zudem das Problem der Datenträger bzw. Rohlinge. Hier klaffen Welten ... einige Rohlinge „mag“ Ihr Brenner nicht und beschreibt sie daher nur mit 4x statt 8x. Selbstgebranntes wird sowieso nicht so schnell gelesen wie Datenträger aus dem Presswerk ... war schon immer so, wird wohl auch so bleiben. Ich rate an dieser Stelle übrigens nicht dazu, das einfach mal an einer Kopie einer DVD auszuprobieren ... es lebe das Urheberrecht :(
--> Löbliche Ausnahmen: tja, keine, wobei die Platten peu a peu immer näher ans theoretische Maximum kommen und sowohl Brenner- als auch Rohlings-Hersteller sich wirklich mühen, für mehr Kompatibilität zu sorgen. Wer, wie ich, zu Anfangzeiten der CD-R Welt schon einen Brenner sein Eigen nennen konnte, ist geradezu erleichtert über die aktuelle Lage.


Platz 5: die Laufzeiten bei Notebooks und Mäusen
Klar, ist es eine tolle Sache, wenn das ALDI-Notebook 4h hält ... tut es aber nicht! Denn die Maximallaufzeiten sind nur dann zu erreichen, wenn’s Lappi gar nix zu tun hat, in der Minimalkonfiguration läuft (also z.B. ohne USB-Mouse, PCMCIA-Karten usw.) oder noch besser im Schlafmodus ist. Das gilt so ähnlich auch für Mäuse, denn solange der Sensor läuft, die LEDs glimmen, so lang braucht die Mouse mehr Saft, als wenn sie nur dumm auf dem Tisch liegt. Dazu wird auch mal gern verschwiegen, dass die maximale Laufzeit nur mit bestimmten Batterien bzw. Akkus zu erreichen ist. Diese sind dann natürlich schön teuer und zu allem Überfluss auch noch kaum zu bekommen.
--> Löbliche Ausnahmen: es seien mal die Intel-Centrino-Notebooks erwähnt, die halten z.B. auch tatsächlich 4h, wenn sie offiziell 4,5 schaffen sollen.


Platz 4: die interpolierte Auflösung
Wenn Sie mal beim RTL-Shop reinschauen, oder QVC oder HOT24 ... dann schalten Sie besser gleich ab, denn es wird quasi immer mit interpolierten Werten geworben. Und dies ist nicht nur ärgerlich, sondern für mich schon glatter Betrug. Da wird eine 200€ Kamera angeboten, die ganz tolle 8 Megapixel packt ... und ganz leise wird genuschelt „aber nur interpoliert“. Und im konkreten Falle heißt das: aus realen 4 Millionen Pixels werden 8 gemacht ... bzw. natürlich „errechnet“. Im Beispiel also aus einer Linie X eine Linie Y geschätzt (ja, geschätzt!). Aus einer Reihe von 10 schwarzen Punkten werden 10 schwarze und 10 graue. Das bedeutet: Unschärfe, Detailarmut, miesere Qualität. Was bei Digi-Cams stört, ist auch bei Scannern ein absolutes Ärgernis, denn auch hier gilt: wo keine Information, da keine Information (klingt doof, ist aber so). Je mehr ein Produkt mir interpolierten Werten beworben wird, desto unseriöser ist der Anbieter ... oder desto unwissender ist er. Beides aber ein Grund, die Finger davon zu lassen.
--> Löbliche Ausnahmen: wenige, zumindest geben z.B. Online-Shops oft beide Werte an, auch Qualitäts-Hersteller (Canon, Hewlett-Packard, Leica usw.) machen einen Bogen um interpolierte Werte, liegt aber auch an der Klientel, die hier keine Schaafherde ist, sondern durchaus kompetente Subjekte umfasst.


Platz 3: die Kühlleistungen bei Kühlern
Eine 300€ CPU möchte gescheit gekühlt werden, vor allem dann, wenn es zur Sache geht: im Hochsommer unter Voll-Last. Und wer nicht bereit ist, mehr als 10€ auszugeben, ärgert sich schnell. Natürlich kann z.B. Ein 5€ billiger Arctic Copper-Silent unter Ideal-Bedingungen kann auch einen XP 3200+ kühlen, keine Frage, ohne wirklich gute Gehäusebelüftung und ohne in einer Dachwohnung (nach Süden) zu werkeln, sieht’s schnell „ungut“ aus. Wer will seine CPU schon permanent mit 80°C quälen? Und wenn Hersteller damit werben, ihr Produkte könne auch eine CPU Kühlen, die es gar nicht gibt (Stichwort „5000+“), dann sollte man erst recht skeptisch sein. Und bedenken Sie: was kann man von eine kompakten Alu-Kühler mit kleinem Lüfter erwarten? Dass er die Gesetze der Physik zurechtbiegt?
--> Löbliche Ausnahmen: kaum, denn der Markt ist so verdammt groß, dass die Übersicht schnell verloren geht. Hier und da (Thermalright, Thermaltake oder AeroCool z.B.) hat man Glück, da und dort (Arctic Cooling, Verax, QTec) greift man daneben.


Platz 2: die Lautstärke bei Lüftern
Eins ist klar: wenn man seine Lüfter verkaufen will, so darf man nicht brutal offen sein, man muss die Produkte in ein gutes Licht rücken und sei es, dass man unter Idealbedingungen und mit Hilfe diverser Tricksereien auf einem 30db-Lüfter einen 22db-Lüfter macht. Die Ernüchterung des Kunden kommt spätestens beim Einbau, spätestens wenn der Lüfter nicht gemütlich in der Hand hängt (bevor man einen Lüfter einbaut, sollte man ihn doch schon mal testen ;), sondern im Netzteil, auf dem CPU- oder GraKa-Kühler. Denn hier zeigt sich, was Lüfter wirklich kann: Vibriert er? Klackert er? Schafft er wirklich die versprochenen 50m3/h. Spätestens wenn ein Hersteller mit 8,9db wirbt, wo der bisher offiziell leiseste 9db hatte. Auch immer ganz lustig: ein 120er Kugellagerlüfter mit 1400 Touren ist 4db leiser als einer mit Keramikgleitlager und 1200 Touren. Oder noch besser: ein Power-Lüfter, der 5500 Touren macht ist auf 1700 Touren runtergeregelt spitzenmäßige 17db leise. Tja, ignorieren wir einfach das robuste, brummige Kugellager. Es ist außerdem wichtig zu wissen, dass ein und er gleiche Lüfter bei unterschiedlichen Bedingungen unterschiedlich laut sein kann. Ob er nun auf einem Silikon-Rahmen gelagert im Gehäuse werkelt oder direkt auf einem Kühler sitzt und somit direkt Widerstand bekommt. Letzteres ist lauter, weil es ja mehr Verwirbelungen gibt, die Luft noch nicht gebremst ist, wenn sie auf die Kühlrippen trifft.
--> Löbliche Ausnahmen: es sei (wieder mal) Revoltec erwähnt, die zumindest bei der Lautstärke nicht lügen.


Platz 1: die Leistungswerte bei Netzteilen
Immer wieder Quell der größten Frustrationen, denn die Hersteller geben so gut wie nie praxisnahe Werte an, sondern theoretische Peak-Werte („es könnte mal ganz kurz so stark sein“). Und so wird aus einem 550W Monster-NT mal ganz schnell ein 350W-Realo, der zudem auch noch unnötig viel Wärme produziert. Entscheidend ist vor allem der Wirkungsgrad (also die Effizienz) und dieser liegt bei wirklich guten NTs bei 75 bis sogar 80%. Wer schon mal ein Seasonic SuperTornado hatte, weiß wovon ich spreche. Am anderen Ende liegen (auch oft Modding-Versionen) die Billig-NTs. Wer glaubt, für 20€ 550W zu bekommen, kann auch gleich beim Weihnachtsmann bestellen und mit Zauberbohnen bezahlen. Nur mal so zum Nachgrübeln: 300er Seasonic vs. 420W LC -> Stromaufnahme bei meinem System (damals) 176 zu 199 Watt. Also mal eben flockige 23W Unterschied ... 23W die SIE dafür bezahlen, dass das NT wärmer wird. Die beim LC schwache 12V-Leitung (1,63 zu 11,79V beim Seasonic) mal außen vor, das interessiert fast nur Übertakter. Aber hey: wer will schon ein NT, mit dem man die VCore besser nicht anrührt, weil sie sonst einbricht?
--> Löbliche Ausnahmen: eigentlich keine, denn jeder Hersteller „cheatet“, aber z.B. Fortron, Enermax und Seasonic sind (Ausnahmen bestätigen die Regel) keine Das-Blaue-Vom-Himmel-Lügner.


Und gleich noch eine Sonder-Kategorie: Gerüchte und Missverständnisse, die sich verdammtnochmal sehr sehr beharrlich halten:
die “Special Awards” gehen an:
- das Gerücht, Dual-Channel würde beim nForce2 nur mit 2 gleichen Modulen laufen (es geht sogar mit 3 oder 4 Modulen, die gar nicht gleich groß sind)
- die Aussage, Arbeitsspeicherkühler bringen nie etwas (wer High-Voltage-Module mit z.B. BH5 oder UTTs ausreizt, weiß wovon ich spreche)
- die Vermutung, Arbeitsspeicherkühler bringen immer etwas (wer seine bei 2,5V laufenden MDTs mit Kühlern versieht, kann auch gleich einen Formel1-Spoiler auf sein Dreirad kleben)
- Leute, die meinen, Mäuse bräuchten unbedingt eine maximale Beschleunigung von 15G (das ist mehr als bei einer Pistolenkugel)
- User, die glauben, dass sie dank Personal Firewall und Virenscanner sicher wären (ein Hacker nutzt schließlich immer gern die Schwachstelle „Mensch“)


im Bobo-Style (*gg*) -> nützliche Links:
die CPU-Temperatur - das unbekannte Wesen
Gehäuselüfter-Guide
die große Kühler-Datenbank
DualChannel Bench nForce2
PCO’s DDR-Ram-Guide
IVI’s DDR-Ram-Guide
LC 550W Netzteil im Härtetest


MFG “verbietet am besten gleich den ganzen Homeshopping-Schrott” IVI